Betriebsausflug nach Hamburg Moorfleet – corsus besichtigt Projekte der Jugendbauhütte Hamburg

Betriebsausflug corsus
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Am 5.9.22 war das Team von corsus in Hamburg auf Betriebsausflug. Nach dem trockenen Sommer traf die corsus Belegschaft ungewohnt nass geregnet um 9 Uhr im Café Johanna am Venusberg für ein leckeres (teilweise ayurvedisches) vegetarisches Frühstück ein. Gut gestärkt ging es mit dem Fahrrad zum Gelände beim ehemaligen Wasserwerk Kaltehofe. Gleich auf dem ersten Streckenabschnitt erlitt eines der Fahrräder einen schwer zu behebenden Platten. Glücklicherweise war das corsus Team auf derartige Zwischenfälle mit Flickmaterial und Luftpumpe gut vorbereitet. Die Besichtigung der verwunschenen Rundhäuser und beeindruckenden historischen Hallen in Kaltehofe wurde durch die hervor brechende Sonne begleitet. Ulrich Mumm von der Jugendbauhütte Hamburg erklärte mit Begeisterung den ehemaligen Zweck der Anlagen und die Restaurierung mit Jugendlichen aus dem Projekt der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.

Die ehemalige Kantine versprüht noch den Scharm der 80er Jahre. In den historischen Büros liegen Kalender von 1998 und auch ein Telefon mit Wählscheibe war zu bewundern. Die Gebäude überraschten uns mit immer weiteren Gängen und Räumen. Schaltzentralen und riesige Trichter lösten ebensolche Begeisterung im Team aus, wie die dort untergebrachte eigene Ziegelherstellung der Jugendbauhütte, um Ziegel für die Restauration im Originalformat herstellen zu können. Nach diesem historischen Einblick ging es weiter nach draußen ins Gelände im Naturschutzgebiet Auenlandschaft Obere Tideelbe. Dort stehen hobbitartige Rundbauhäuser. Nur eines dieser ehemaligen Schieberhäuschen wird zur Erinnerung und für Anschauungszwecke im Originalzustand erhalten. Ein paar Schritte weiter holt sich die Natur langsam die Bauwerke zurück. Der Verfall ist hier erwünscht. Die Fläche ist eine Ausgleichsfläche auf der der Schierlingswasserfenchel (wieder) angesiedelt wurde. Aufgrund der engen Verwobenheit von zu schützender Natur und zu schützenden historischen Gebäuden könnte auf diesem weitläufigen Gelände die Verbindung von Natur- und Denkmalschutz gelingen und beiden Interessensbereichen Vorteile bringen. Eine solche verbindende Herangehensweise verfolgt corsus in vielen vergleichbaren Prozessbegleitungen und Moderationsverfahren, in denen es darum geht, Naturschutzinteressen und andere Interessen, wie beispielsweise die der Landwirtschaft, Naherholung oder des Hochwasserschutzes durch eine lösungsorientierte Moderation in Einklang zu bringen. So z. B. das Naturschutzgroßprojekt Krautsand, Ziel unseres letzten Betriebsausfluges, sowie der Moderationsprozess im Landschaftsraum Großes Torfmoor und ganz neu das Naturschutzgroßprojekt Hamburg, deine Flussnatur!

Die nächste Station war das aktuelle Großprojekt der Jugendbauhütte Hamburg in Moorfleet: Ulrich Mumm erklärte, dass hier ein fast 500 Jahre altes Hufnerhaus in letzter Minute vor dem Abriss gerettet wurde. Es zählt zu den ältesten erhaltenen Fachhallenhäusern in Norddeutschland und wird seit Herbst 2016 jeweils für ein Jahr von jungen Erwachsenen (BufDi, FÖJ, siehe Infokasten) unter fachlicher Anleitung restauriert. Das schöne Reet konnte neu gedeckt werden und die Fassade mit Fenstern und Giebeln an der Front strahlt in neuem alten Glanz. Die Innenräume werden von mächtigen Eichenbalken dominiert. Aufgrund eines Schädlingsbefalls musste das gesamte Gebäude zunächst à la Cristo verpackt und dann aufwändig behandelt werden

Von dem alten Material wird so viel wie möglich erhalten, doch teilweise müssen für die Statik z. B. Sparren ergänzt werden. Archäologische Ausgrabungen sollen die ehemalige Feuerstelle im Aufenthaltsraum und weitere Details unter dem betonierten Fußboden zu Tage fördern. Als nächstes werden im ehemaligen Schweinestall Toiletten installiert. In etwa fünf Jahren könnten hier Räumlichkeiten für Seminare mit moderner Ausstattung entstehen. Strategieklausur corsus 2027 im Hufnerhaus Moorfleet?

Anschließend setzten sich alle bei Kaffee und Kemmsche Kuchen in den Schatten eines riesigen Apfelbaumes. Es wurde über Denkmalschutz, Philosophie, Kunst, Soziales und gesellschaftliches Engagement diskutiert. Unsere Geschäftsführerin Anke Butscher, die ausgebildete Tischlerin ist, hätte am liebsten sofort selbst mit angepackt.

Wir danken Herrn Mumm für seine lebendigen Schilderungen, sein sprühendes Engagement und die interssante Führung!

Bei unerwartet sonnigem Wetter radelte das corsus Team weiter nach Entenwerder 1, wo nach individuellem Gusto kreativ belegte Stullen, vegetarische Burger und leckerer Kuchen für neue Energie sorgten. Nebenbei konnten wir beobachten, wie der Hafencity Riverbus in See stach. Auf der vertrockneten Wiese am Elbufer wurde es bei Frisbee und Spikeball wieder sportlich. Zum Abschluss des ereignisreichen Betriebsausfluges bog sich die lange Tafel im Büro am Großneumarkt abends unter den selbst zubereiteten Köstlichkeiten.

Infokasten Jugendbauhütte Hamburg:

Die Jugendbauhütte Hamburg ist die 14. der deutschlandweiten Jugendbauhütten mit dem Ziel, kommende Generationen für Denkmalpflege und Handwerk zu begeistern. Das Projekt der Deutschen Stiftung Denkmalschutz steht unter der Trägerschaft der Internationalen Jugendgemeinschaftsdienste. Junge Menschen von 16 bis 26 Jahren können in diesem Rahmen ein Freiwilliges Soziales Jahr oder einen Einsatz beim Bundesfreiwilligendienst absolvieren. Dabei dürfen sie unter professioneller Anleitung direkt am Denkmal lernen und arbeiten. Das Besondere an der Hamburger Jugendbauhütte ist, dass die Jugendlichen und jungen Erwachsenen hier gemeinschaftlich in einer Unterkunft wohnen. Das Erlernen der handwerklichen Fähigkeiten wird durch die Förderung eines tieferen Verständnisses der historischen Zusammenhänge, soziokultureller und philosophischer Aspekte ergänzt. Zum 1. September beginnt jeweils ein neuer Jahrgang (Bewerbungen sind immer willkommen). Die Jugendbauhütte Hamburg hat erstmals eine gemeinnützige GmbH zur Sicherstellung von Finanzierung und Personal gegründet. Ihr Ziel ist es, geeignete Baudenkmale in Hamburg zu erwerben und in Form von Lehrbaustellen zu restaurieren. Außerdem sollen andere Baudenkmale durch die Jugendbauhütte Hamburg selbstlos gefördert werden können.

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