Christina Mumm stellt sich vor

Vier Fragen an Christina Mumm, die seit November 2021 als Beraterin bei corsus tätig ist:

Was hast du gemacht, bevor du zu corsus kamst?

Zuletzt habe ich im Bereich Erneuerbare Energien gearbeitet und Kleinwindkraftanlagen an Milchviehbauern in Norddeutschland verkauft. Dort war ich für sämtliche Abläufe von der Akquise über nötige Gutachten, Bauplanung und Anträge bis hin zur Installation der Anlagen zuständig. In früheren Jahren habe ich in Hamburg und Ulm Biologie studiert, mit dem Schwerpunkt Verhaltensforschung. Dies hat mir wundervolle und höchst einprägsame Reisen zu den abgelegensten Orten der Welt ermöglicht. Ich habe mich im ecuadorianischen Dschungel um konfiszierte Neuweltaffen gekümmert und später eine große Forschungsarbeit über Riesenotter im Herzen des Amazonas in Peru durchgeführt. Dies waren Erfahrungen, die ich nicht missen möchte und ich sehe es als Privileg, diese großartige Arbeit verwirklicht haben zu können. Danach wollte ich mich auf Naturschutz und Ökologie in Deutschland konzentrieren. Dies gelang mir aber nur ehrenamtlich. Über eine umfassende Fortbildung zu geografischen Informationssystemen kam ich zu einem angestellten Arbeitsverhältnis und bin nun sehr glücklich, bei corsus angekommen zu sein.

corsus berät zu Nachhaltigkeit. Was verbindest du mit Nachhaltigkeit?

Nachhaltigkeit ist für mich das Schaffen von Werten und Grundlagen, die langfristig tragen und allen zugutekommen. „Alle“ beinhaltet für mich tatsächlich alle Lebewesen, auch wenn ich mich als Zoologin den Säugetieren am meisten verbunden fühle. Die Frage muss sein, wie wir als Menschheit es schaffen, dem überkommenen Begriff der Tragödie der Allgemeinheit kreativ und anpassungsfähig zu entkommen, hin zu einer Allgemeinheit, die wirklich für alle sorgen kann.

Der Nachhaltigkeitsgedanke lässt sich nur in der Kombination von Natur- und Umweltschutz mit sozialer Gerechtigkeit denken. Armut und Bildung sind in diesem Zusammenhang ein enorm wichtiger Faktor. Von einer Familie, die Grundsicherung erhält, werde ich nicht verlangen, ein Biobrot für mehrere € zu kaufen, wenn es die herkömmliche Alternative für unter einem € im Supermarkt gibt. Aber genau diesen Missstand müssen wir angehen: Wie kann es sein, dass Lebensmittel, Produkte allgemein, die extrem unfair und ausbeuterisch hergestellt wurden, weiterhin billig sind und massenhaft gekauft werden? Gleichzeitig wollen doch die meisten, dass nachhaltig produziert und das Wohl von Mensch und Tier mitgedacht wird.

Ein anderer Aspekt ist, dass über den Schutz der Natur Arbeitsplätze und Werte geschaffen werden können. Eine ökologische Landwirtschaft benötigt mehr Angestellte, Schutzgebiete brauchen Ranger und Management, im Rohstoffrecycling liegt ein riesiger Markt, Neuerungen bei abbaubaren Materialien brauchen Forschung.

Nicht zuletzt ist es schlichtweg so, dass wenn wir Menschen diesen Planeten ruinieren, wir selbst ebenfalls aussterben. Man könnte also auch rein egoistisch an die Sache heran gehen. Aber aktiv zu werden ist unumgänglich.

Gibt es ein Thema, das dir ganz besonders am Herzen liegt?

Die akuten Bedrohungen von Klimawandel, Artensterben, Umweltverschmutzung und Flächenverbrauch können sich so überwältigend anfühlen, dass man lieber den Kopf in den Sand stecken und sich nicht weiter damit auseinandersetzen möchte, oder sich gar in unrealistische Nebenschauplätze flüchtet. Genau das möchte ich nicht. Ich möchte alle Menschen ermutigen, dass jede:r etwas tun kann. Dass jede unserer Handlungen Konsequenzen hat und dass es an der Zeit ist, Verantwortung zu übernehmen. Ob dies über das eigene Konsumverhalten, politisches Engagement oder Wissensvermittlung geschieht, kann jede:r nach eigenen Vorlieben und Fähigkeiten entscheiden. Gemeinsam Gutes zu tun, macht einfach Spaß.

Woran arbeitest du gerade bei corsus?

Ich arbeite in zwei großen Projekten mit. Zum einen begleite ich einen Moderationsprozess für die Erstellung eines Leitbilds im Kreis Minden-Lübbecke. Dort geht es um einen Moorstandort und die Frage, wie sich das Gebiet in Zukunft entwickeln kann. Es wird eine Leitbild erarbeitet, das möglichst von allen Beteiligten geteilt wird. Einerseits gibt es dort schon Schutzgebiete und Maßnahmen für Wiesenvögel, andererseits findet auch intensive Landwirtschaft statt. In diesem Spannungsfeld ist es eine Herausforderung, eine gemeinschaftliche Vision zu erstellen. Daher kommt corsus als neutrale Beraterin mit in den Prozess. Für mich ist es äußerst spannend, die Gespräche zu führen, die verschiedenen Akteur:innen und den Landschaftsraum kennen zu lernen und Strategien zu erarbeiten, wie man der Vielfältigkeit der Bedürfnisse gerecht werden kann, ohne das Gesamtziel aus den Augen zu verlieren. Bis jetzt habe ich einen sehr positiven Eindruck und glaube, dass das ein konstruktiver und produktiver Prozess wird.

Das zweite Projekt wird vom Bundesumweltministerium gefördert und nennt sich „Climate Impacts of Food“. Es geht um ein Kommunikationstool zu Umweltauswirkungen von Lebensmitteln. Aktuell lese ich mich in die Literatur ein, lote den aktuellen Stand der Forschung aus. Wir führen Fallstudien in drei Partnerländern durch und ich bin für Südafrika zuständig. Es erfüllt mich mit positiver Aufregung und Freude, Teil eines so großen und bedeutenden Projekts zu sein.

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