corsus auf der COP27: Ökobilanz ist die Basis für viele Bewertungsansätze

Nach der Keynote von Alexander Müller, TMG, und weiteren Vorträgen von Ulf Jäckel (BMUV), Ahmed Amdihun (IGAD),  Joao Campari (WWF International), Roy Steiner (Rockefeller Foundation) und Kathleen Merrigan (Swette Center for Sustainable Food Systems) erläuterte Ulrike Eberle von corsus in ihrem Vortrag am 15. November im Food Pavillion der COP27 in Scharm El-Sheik zu True Cost Accounting (TCA) den Zusammenhang zwischen Ökobilanz und TCA.

Die Ökobilanz (Life Cycle Assessment – LCA) stellt die methodische Basis für viele Bewertungsansätze dar, so auch für True Cost Accounting. Mit der Entwicklung von Methoden zur Ökobilanzierung wurde bereits in den 1970er Jahren begonnen. Der heute gültige internationale Standard wurde 2006 veröffentlicht – die ISO 14040 und 14044. Der Standard beschreibt die verbindliche Herangehensweise bei der Abschätzung der Umweltauswirkungen von Produkten (eLCA). Zur Abschätzung von sozialen Auswirkungen wurde die Sozialbilanz (Social LCA – sLCA) entwickelt. In 2020 wurden die hierfür zu nutzenden Leitlinien veröffentlicht, welche die ersten Leitlinien von 2009 aktualisieren. Bei TCA werden basierend auf Lebenszyklusinventaren und Wirkungsabschätzungsergebnissen die wahren Kosten beispielsweise von Lebensmitteln berechnet, in dem die Kosten der verursachten Umweltauswirkungen monetär bewertet werden.

COP 27 food4climate

Dr. Ulrike Eberle, Ahmed Amdihun (IGAD), Roy Steiner (The Rockefeller Foundation), Joao Campari & Martina Fleckenstein (WWF Int.)

Seit vielen Jahren ist die Ökobilanz eine etablierte Methode zur Quantifizierung von ökologischen und sozialen Auswirkungen – auch von Lebensmitteln. Viele Bewertungsansätze, beispielsweise True Cost Accounting basieren auf den Ergebnissen von Ökobilanzen. Auch Umweltlabel fußen vielfach auf den Ergebnissen von Ökobilanzen. Beispiele hierfür sind der Planet Score und der EcoScore, die in Frankreich für die Umweltkennzeichnung von Lebensmitteln entwickelt wurden. Aber auch die Bewertungsmethode ‚SEP – SDG Evaluation of Products‘, die von Ulrike Eberle und Julius Wenzig im Rahmen eines Forschungsvorhabens an der Universität Witten/Herdecke entwickelt wurde, basiert auf der Methodik der Ökobilanz. Die Bewertungsmethode misst den Beitrag von Produkten zur Erreichung der Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen (Sustainable Development Goals – SDG). Das im Rahmen des vom Bundesministerium für Umwelt und Verbraucherschutz (BMUV) geförderten Vorhabens „CLIF – Climate Impacts of Food“ zu entwickelnde Kommunikationstool wird ebenfalls auf Ökobilanzen basieren.

Auch wenn die Methode der Ökobilanzierung kontinuierlich weiterentwickelt wird und es noch ein paar methodische Fragen zu lösen gilt, sind die Ergebnisse, die heute durch Ökobilanzen und auch TCA hervorgebracht werden, eine gute Basis zur Entwicklung von Strategien für eine sozial-ökologische Transformation unserer Ernährungssysteme. Insbesondere die Abschätzung der Auswirkungen der Lebensmittelproduktion und des Lebensmittelverzehrs auf das Klima ist sehr robust. Daher wissen wir seit langem, dass tierische Lebensmittel deutlich höhere Klimaauswirkungen verursachen als pflanzliche Lebensmittel. Mit den Empfehlungen der Eat Lancet Kommission für eine Ernährung zum Wohle unseres Planeten liegen auch Empfehlungen vor, wie wir uns gesund und ökologisch ernähren können. Gleichwohl sollte sich die Betrachtung von Umweltauswirkungen nicht nur auf Klimaauswirkungen beschränken und Strategien müssen dringend soziale Auswirkungen und Alltagsanforderungen mit bedenken. Mit Blick auf die Umsetzung sollte daher das Leitprinzip „Nachhaltige Entscheidungen müssen einfache Entscheidungen sein“ zugrunde gelegt werden.

Link zum Video:

https://www.youtube.com/watch?v=aK394ebG-YM&t=4164s

Download Vortrag Ulrike Eberle: COP27-Eberle

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