Ein Loblied auf die Hülsenfrucht
Heute ist der Internationale Tag der Hülsenfrüchte (World Pulses Day)“, der am 20. Dezember 2018 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen (UN) offiziell eingeführt wurde. Hülsenfrüchten kommt eine wichtige Rolle für eine nachhaltigere Gestaltung der Ernährungssysteme zu. Unsere Expert:innen von corsus und corsus research arbeiten in vielen Forschungsprojekten zu Hülsenfrüchten und ihrer Rolle für eine Ernährungswende.
Hülsenfrüchte, also Bohnen, Erbsen, Kichererbsen, Lupinen und Linsen, gehören zu den besten pflanzlichen Proteinquellen. In Bezug auf die Verdaulichkeit der Proteine schneidet die Sojabohne bei den Hülsenfrüchten am besten ab. Ihre Proteinqualität wird als sehr gut eingestuft – ebenso gut wie Lachs. Tierische Proteine haben alle eine sehr gute Proteinqualität. Die Qualität der Proteine ist jedoch nicht allesentscheidend wie es immer wieder in den Vordergrund gestellt wird. Es bedeutet nur, dass für eine ausgewogene Ernährung noch weitere Proteinquellen konsumiert werden sollten, also beispielsweise verschiedene Hülsenfrüchte. Denn erst ab einem Wert von 100 Prozent sind alle essenziellen Aminosäuren – also die Aminosäuren, die unser Körper nicht selbst herstellen kann – im Produkt enthalten.
Neben der Proteinqualität ist vor allem auch die Nährstoffdichte der Produkte ein wesentlicher Faktor. Und hier zeigt sich, dass fast alle Hülsenfrüchte hier deutlich besser abschneiden als Fleisch oder Kuhmilch. Lediglich Lachs hat eine noch höhere Nährstoffdichte als Hülsenfrüchte.
Hülsenfrüchte sind ein kostengünstiges, ökologisch vorteilhaftes und gesundheitlich wertvolles Lebensmittel, das deutlich häufiger verzehrt werden sollte.
Doch wie steht es um Hülsenfrüchte in der Ernährung in Deutschland?
Der Blick auf Deutschland zeigt: Wir essen derzeit deutlich weniger Hülsenfrüchte als von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) oder der Eat Lancet-Kommission empfohlen. Das ist nicht nur aus gesundheitlicher Perspektive problematisch, denn Hülsenfrüchte sind auch ökologisch durchaus vorteilhaft. Im Vergleich mit tierischen Proteinquellen verursachen sie ausnahmslos deutlich geringere Umweltauswirkungen und sind darüber hinaus noch mit vielen Vorteilen im Anbau verbunden:
- Sie nutzen Luftstickstoff, wandeln ihn in eine für Pflanzen nutzbare Form um. So tragen sie dazu bei, den Einsatz mineralischer Düngemittel zu reduzieren.
- Sie tragen zur Minderung von Treibhausgasen bei, da sie Kohlenstoff im Boden binden.
- Sie bringen organische Substanz in den Boden ein, fördern das Mikrobiom im Boden, verbessern die Bodenstruktur und fördern so die Bodenfruchtbarkeit.
Zudem können Hülsenfrüchte in vielen Regionen der Welt mit wenig Aufwand angebaut werden. Sie sind damit ein kostengünstiges, ökologisch vorteilhaftes und gesundheitlich wertvolles Lebensmittel, das zu Ernährungssicherheit beiträgt und deutlich häufiger verzehrt werden sollte. Bezogen auf die Empfehlungen der DGE sollten wir den Konsum von Hülsenfrüchten um 25 Prozent steigern, nach den Empfehlungen für eine Planetary Health Diet der Eat Lancet-Kommission gar um 88 Prozent!
Die Proteinqualität wird durch den DIAAS-Score (Digestible Indispensable Amino Acid Score) ausgedrückt. Er berücksichtigt insbesondere die Verdaulichkeit und Verfügbarkeit essenzieller Aminosäuren im menschlichen Körper.
Die Nährstoffdichte wird über den Nutrient Rich Food Index (NRF) gemessen. Dieser bewertet den Gehalt erwünschter Nährstoffe zu gesundheitlich abträglichen Nährstoffen und integriert dies in einem einzelnen Wert.
Der NRF* beschreibt die proteinqualitätsbezogene Nährstoffdichte. Dieser ermöglicht es, die Umweltauswirkungen verschiedener Lebensmittel besser zu vergleichen, da er das Verhältnis von erwünschten Nährstoffen zu gesundheitlich abträglichen in einem einzelnen Wert integriert und auch die unterschiedliche Qualität der enthaltenen Proteine berücksichtigt.
Der Internationale Tag der Hülsenfrüchte
Der „Internationale Tag der Hülsenfrüchte (World Pulses Day)“, der am 20. Dezember 2018 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen (UN) offiziell eingeführt wurde, wurde erstmals am 10. Februar 2019 begangen. Nach dem erfolgreichen „Internationalen Jahr der Hülsenfrüchte“ 2016 wurde er auf einen Vorschlag von Burkina Faso hin eingerichtet. Er dient dazu, das Potenzial von Hülsenfrüchten für die Umsetzung der Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung aufzuzeigen und das Bewusstsein für die Bedeutung von Hülsenfrüchten für nachhaltige Ernährung zu schärfen. Die Welternährungsorganisation formuliert es so: „Dieser Feiertag bietet eine einzigartige Gelegenheit, die Öffentlichkeit für Hülsenfrüchte und ihre grundlegende Rolle bei der Umstellung auf effizientere, integrativere, widerstandsfähigere und nachhaltigere Agrar- und Ernährungssysteme zu sensibilisieren, die eine bessere Produktion, eine bessere Ernährung, eine bessere Umwelt und ein besseres Leben ermöglichen, ohne dass jemand zurückgelassen wird.“ [1]
[1] übersetzt von https://www.fao.org/world-pulses-day/en (abgerufen am: 3.2.2026)






