Internationale Städteforum 2026 der Landeshauptstadt Kiel
Am Samstag, 20. Juni fand das 49. Internationale Städteforum 2026 der Landeshauptstadt Kiel statt. Thema des diesjährigen Zusammenkommens der Partner- und befreundeten Städte war „Wissenschaft als Triebkraft für innovative städtische Gesellschaften“. corsus konzipierte und moderierte diesen wertvollen und gemeinsamen internationalen Austausch in der Förde Sparkasse in Kiel.
Vertreter:innen aus den Partner- und befreundeten Städten der Landeshauptstadt Kiel – darunter Aarhus, Antakya/Hatay, Brest, Cherson, Coventry, Gdynia, Moshi District, Samsun, Split, Stralsund, Tallinn und Vaasa kamen zusammen, um sich über die Zukunft urbaner Räume und Gesellschaften auszutauschen.
Vor dem Hintergrund des EU-Projekts ‚Science comes to town‘, das die Städte Brest, Split und Kiel verbindet sowie des Starts der Kieler Woche, bot sich das Thema ‚Wissenschaft‘ als ausgezeichnete Möglichkeit an, um sich über nachhaltige Entwicklung von Städten und Kommunen, insbesondere mit Blick auf die Rolle der Wissenschaft auszutauschen. Denn die Wissenschaft ist ein zentraler Baustein für die Zukunft von Städten und Kommunen. Sie bietet nicht nur evidenzbasierte Daten und innovative Ansätze, sondern auch wissenschaftsbasierte Lösungen und Innovationen für wichtige kommunale Herausforderungen, wie Klimaschutz, Verkehr, soziale Integration oder digitale Infrastruktur. Wird Wissenschaft als zentraler Baustein von Kommunen und Städten etabliert, können fundiertere Entscheidungen getroffen, Ressourcen gezielter eingesetzt und komplexe Zukunftsaufgaben erfolgreich gemeistert werden. Zudem trägt Wissenschaft dazu bei, den Standort sowie das Zusammenleben zu stärken und qualifizierte Fachkräfte auszubilden und zu gewinnen. Um Vertrauen in Wissenschaft zu stärken und ihre Akzeptanz zu fördern, ist es wichtig, Wissenschaft erlebbar zu machen und Bürgerinnen und Bürger aktiv einzubeziehen.
Zu Beginn eröffneten Enke Koberg, Vorstandsmitglied der Förde Sparkasse, und Bettina Aust, Stadtpräsidentin von Kiel, das internationale Städteforum. Prof. Dr. Till Requate, Professor für Innovations-, Wettbewerbs- und Neue Institutionenökonomik an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, unterstrich ausgehend von einer historischen Betrachtung der Stadtentwicklung die aktuelle Notwendigkeit von Wissenschaft für den produktiven Umgang mit Komplexität in städtischen Gemeinschaften. Er wies insbesondere auf die Herausforderungen der Politikberatung für eine evidenzbasierte Politik hin. In der ersten thematischen Diskussion tauschten sich Tiit Terik, stellvertretender Bürgermeister der Stadt Tallinn, und Oberbürgermeister Dr. Samet Yilmaz der Stadt Kiel, über die Bedeutung wissenschaftsbasierter Entscheidungen für Kommunen aus. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie wissenschaftliche Erkenntnisse stärker in kommunale Entscheidungsprozesse und das städtische Leben integriert werden können. Dr. Samet Yilmaz hob hervor, dass insbesondere junge Menschen wichtige Impulsgeber:innen für eine nachhaltige und zukunftsorientierte Stadt sind.
In drei interaktiven Workshops setzten sich die Teilnehmenden anhand von jeweils zwei praxisnahen Beispielen aus Kiel und den Partnerstädten mit der Frage auseinander, wie Wissenschaft, Politik und Verwaltung stärker miteinander verknüpft werden können.
Der Workshop I „Evidenzbasierte Politik und Verwaltung“ diskutierte, wie wissenschaftliche Erkenntnisse und Methoden in politische Entscheidungen und administrative Prozesse integriert werden können, um Effektivität und Effizienz zu steigern und konkrete Herausforderungen durch Kooperation zwischen Wissenschaft, Verwaltung und Stadtgesellschaft zu lösen. Dr. Tomasz Augustyniak, stellvertretender Bürgermeister von Gdynia, Alke Voß, Stadträtin für Umwelt, Klimaschutz und Mobilität und Prof. Hendrik Dankowski, Professor für Entwerfen von Schiffen und Maritimer Umweltschutz an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Kiel präsentierten zwei Praxisbeispiele, die den Beitrag wissenschaftlicher Erkenntnisse zu einer nachhaltigen Stadtentwicklung verdeutlichten. Vorgestellt wurden der Wissenschafts- und Technologiepark in Gdynia als Bildungs- und Innovationsstandort für moderne Energielösungen sowie das Projekt einer vollautonomen Personenfähre an der Schwentinemündung in Kiel. Die anschließende Diskussion zeigte, dass evidenzbasierte politische Entscheidungen und eine grundlegende kooperative Planung wesentliche Voraussetzungen sind, um wissenschaftliche Erkenntnisse erfolgreich in kommunale Planungs- und Entwicklungsprozesse einzubinden.
Der zweite Workshop „Stärkung der Region als Wissenschaftsstandort“ beleuchtete, wie wissenschaftliche Einrichtungen durch Netzwerke, Kooperationen und gezielte Kommunikation mit Wirtschaft und Stadtgesellschaft die Innovationskraft und Attraktivität der Region steigern und lokale Herausforderungen lösen können. Dr. Susanna Slotte-Kock, Beauftragte für Außenbeziehungen bei der Stadt Vaasa in Finnland und Prof. Dr. Sören Kock, Professor für Management und Organisation und Dekan für Internationale Beziehungen an der Hanken School of Economics, sowie Dr. Barbara Weig, Innovationsmanagerin der Kieler Wirtschaftsförderung aus Kiel stellten Strategien zur Gewinnung und Bindung von Fachkräften sowie zur Zusammenarbeit zwischen Hochschulen, Wirtschaft und Kommunen vor. Im Fokus standen die Fachkräftestrategie und Ansiedlungspolitik der Stadt Vaasa sowie Kiels Ansatz, Hochschulen und Unternehmen in Technologieverbünden – insbesondere im Bereich nachhaltiger Technologien und der Fachkräftequalifizierung – zu vernetzen. So forschen Student:innen in Kiel an einer autonomen Bahnstrecke als Teil des Projekts für intelligente Bahntechnik. Ein zentrales Fazit war, dass eine vertrauensvolle und kontinuierliche Zusammenarbeit aller Beteiligten, getragen von gemeinsamen langfristigen Zielen und verlässlichen Strategien, entscheidend ist, um Stadt und Region als Innovationsstandort nachhaltig zu stärken.
Der dritte Workshop „Wissenschaft und Bürger zusammenbringen“ befasste sich mit der Frage, wie Bürger:innen durch partizipative Formate, verständliche Wissenschaftskommunikation und niedrigschwellige Angebote aktiv in Forschungsprozesse einbezogen werden können, um Vertrauen in Wissenschaft zu stärken und ihre gesellschaftliche Relevanz zu erhöhen. Dr. Johannes Rosenplänter, Historiker, Archivar und Institutsleiter von Stadtarchiv und -museum Kiel sowie der Werkstatt 20. Jahrhundert und Ömer Faruk Demir, stellvertretender Generaldirektor für Verwaltungs- und Finanzangelegenheiten bei SAMULAŞ A.Ş., dem öffentlichen Verkehrsunternehmen der Stadt Samsun zeigten am Beispiel der Werkstatt 20. Jahrhundert in Kiel, am Technologie-Festival oder des Wissenschaftszentrum Bilim Samsun, dass trotz unterschiedlicher Ansätze zentrale Aspekte besonders wichtig sind: Wissenschaft als Impulsgeber:in erfordert die Kooperation mit vielfältigen Akteur:innen aus verschiedenen Bereichen, wobei Partizipation und Inklusion eine große Rolle spielen. Wichtig ist, Bürger:innen die Möglichkeit zu geben, selbst Teil von Forschung und Wissenschaft zu sein, etwa durch Co-Creation und niedrigschwellige Zugänge.
Die Präsentation der Workshop-Ergebnisse machte deutlich, dass Partizipation, Inklusion, Kooperation und fundierte Datenlage und Grundlagenwissen zentrale Voraussetzungen sind, um Wissenschaft als treibende Kraft für innovative städtische Gesellschaften zu etablieren.
In der anschließenden Podiumsdiskussion wurde klar, welches Potenzial Wissenschaft für die Entwicklung zukunftsfähiger Städte entfalten kann. Dr. Igor Jerković, Vize-Rektor für Forschung und Qualität der Universität Split, Marguerite Gouyou Beauchamps, Projektmanagerin der Stadt Brest und Koordinatorin des EU-Projekts Science Comes to Town, Anton Lefanov, stellvertretender Leiter der Militärverwaltung der Stadt Cherson sowie Alke Voß, Stadträtin für Umwelt, Klimaschutz und Mobilität der Landeshauptstadt Kiel, diskutierten über die Rolle von Wissenschaft als Motor für Innovationen, Zusammenarbeit und gesellschaftliche Resilienz.
Am Beispiel des EU-Projekts „Science Comes to Town“ wurde aufgezeigt, wie Wissenschaft Menschen, Kommunen und Forschungseinrichtungen miteinander vernetzt und den Austausch zwischen Wissenschaft, Politik, und Zivilgesellschaft stärkt. Durch partizipative Formate und europäische Zusammenarbeit entstehen neue Impulse für Innovationen, evidenzbasierte Entscheidungen und eine nachhaltige Stadtentwicklung. Wie wichtig wissenschaftliche Expertise gerade in Krisenzeiten ist, verdeutlichte Anton Lefanov. Er schilderte eindrücklich die Herausforderungen, vor denen die Stadt Cherson seit dem russischen Angriffskrieg steht. Besonders der Bruch des Kachowka-Staudamms im Jahr 2023 habe gezeigt, welche weitreichenden Folgen die Zerstörung kritischer Infrastruktur für Umwelt, Energieversorgung und das Leben der Bevölkerung hat. Er betonte, dass wissenschaftliche Erkenntnisse und technologische Innovationen entscheidend dazu beitragen, die Energieversorgung und kritische Infrastrukturen zu sichern, die Widerstandsfähigkeit von Städten in Kriegs- und Krisensituationen zu stärken sowie Schäden zu analysieren und Wiederaufbau zu planen. Wissenschaft sei damit nicht nur ein Motor für Innovation, sondern auch ein zentraler Baustein für Sicherheit und Resilienz.
Das Internationale Städteforum 2026 hat eindrucksvoll gezeigt, dass Wissenschaft, Politik, Verwaltung und die Stadtgesellschaft gemeinsam wichtige Impulse für nachhaltige Entwicklungen von Städten und Kommunen setzen können. Der intensive Austausch und die vielfältigen Einblicke und Praxisbeispiele lieferten wertvolle Anregungen für weitere Kooperationen für alle beteiligten Partner- und befreundete Städte. Es unterstrich nochmals, dass eine internationale Vernetzung und der dazugehörige Austausch essenziell für zukunftsfähige und resiliente Städte sind.
corsus unterstützt Kommunen und Städte dabei, wirksame Hebel für Veränderungen zu identifizieren, strategische Ausrichtungen zu entwickeln und Schlüsselfaktoren für eine nachhaltige kommunale und städtische Entwicklung zu bestimmen. corsus gestaltet und moderiert Dialoge mit wichtigen Interessengruppen, berät gewählte Vertreter:innen und Verwaltung in Nachhaltigkeitsfragen und setzt strategische Ausrichtungen in Monitoring-Prozesse um.
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