Neues Gutachten zu Umweltlabeling für Lebensmittel veröffentlicht

corsus ist gemeinsam mit Zühlsdorf + Partner und dem KATALYSE Institut der Frage nachgegangen, wie ein erfolgreiches Umweltlabeling für Lebensmitteln gestaltet werden sollte.

Für eine Ernährungswende, also die sozial-ökologische Transformation der Ernährungssysteme, sind Erzeuger:innen und Produzent:innen, Politik und Konsument:innen gefordert.

Konsument:innen können zur Reduktion der Umweltauswirkungen von Ernährung vor allem durch die Wahl der Lebensmittel beitragen. Einer in der Zeitschrift Nature veröffentlichte Studie zufolge würde eine vollständig vegetarische Ernährung bis zu 55 % weniger Treibhausgase emittieren als die aktuelle Ernährung. Eine mediterrane Ernährung würde etwa 30 % und eine auf Fisch basierende Ernährung 45 % Treibhausgase einsparen. In einer Arbeit (Umweltauswirkungen der Ernährung) für den WWF Deutschland hat corsus ermittelt, dass der Biodiversitätsfußabdruck und der Flächenfußabdruck, der durch die Ernährung in Deutschland verursacht wird, nahezu halbiert werden könnten, wenn wir uns den Empfehlungen der Eat Lancet-Kommission folgend vegetarisch oder vegan ernähren würden. Und auch eine Ernährung mit Fleisch, die den Empfehlungen der Eat Lancet Kommission folgt, trägt zu einer deutlichen Reduktion der Umweltauswirkungen bei.

Damit Konsument:innen am Point-of-Sale fundierte Entscheidungen zugunsten umweltfreundlicherer Produkte treffen können, benötigen sie die relevanten Informationen. Gleichzeitig werden die Entscheidungen beim Lebensmittelkauf gewohnheitsmäßig und schnell getroffen. Informationen, die diese Entscheidungen beeinflussen können, müssen daher leicht verständlich und schnell verfügbar sein. Denn selten werden die Verpackungsrückseite oder gar ergänzende Online-Informationen, z. B. abrufbar via QR-Code, beachtet. Genau an dieser Stelle kann ein direkt sichtbares, verständliches Umweltlabel einen Beitrag leisten.

Gleichwohl sind mit dem Labeling etliche Schwierigkeiten verbunden, wie die vorhandene Label-Landschaft zeigt: Während manche Labels regelrechte Erfolgsgeschichten sind (so etwa das deutsche Bio-Siegel), fristen etliche andere Labels ein wenig beachtetes Nischen-Dasein und beeinflussen Kaufentscheidungen kaum. Nicht nur die Bekanntheit, sondern auch die Aussagekraft der Labels unterscheidet sich stark, insbesondere dadurch, wie umfassend die Produkte bewertet werden und wie glaubwürdig die Bewertung erfolgt.

Mit wenigen Ausnahmen werden die Umweltauswirkungen von Lebensmitteln bisher vor allem indirekt mit Labels adressiert. Vorstöße zu Klimalabels (etwa vom Carbon Trust in Großbritannien) waren bisher wenig erfolgreich. Die Entwicklung eines umfassenden Umweltlabels wird jedoch gegenwärtig insbesondere von Frankreich vorangetrieben. Auch die „Farm-to-Fork“-Strategie der EU-Kommission sieht eine Lebensmittelkennzeichnung zu Umweltwirkungen bis Ende 2023 vor.

Vor dem Hintergrund der vorhandenen Label-Initiativen und der gegenwärtigen Entwicklungen hat corsus gemeinsam mit den Projektpartner:innen für das Bundesministerium für Umwelt und Verbraucherschutz (BMUV) eine fundierte Empfehlung ausgearbeitet, wie ein Umweltlabel für Lebensmittel gestaltet sein sollte und welche Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Einführung und Fortentwicklung benötigt werden. Wer sich zu dem äußerst interessanten, vielschichtigen Thema informieren möchte, kann das jetzt mithilfe der veröffentlichten Projektergebnisse tun. Wir wünschen eine anregende Lektüre und freuen uns über Fragen, Anregungen und Kommentare.

Umweltlabeling
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